Verkehrsunfall – was nun?

Es ist immer wieder ärgerlich, wenn man selbst am Unfall keine Schuld trägt und dann auch noch die Versicherung den Schaden nur zögerlich repariert. Viele Geschädigte sind jedoch auf eine schnelle Zahlung der Versicherung des Unfallgegners angewiesen, da sie selbst gerade nicht über ausreichend finanzielle Rücklagen verfügen, um die Reparaturkosten zu zahlen oder im schlimmsten Fall ein neues Auto zu finanzieren. Oft müssen sie hierfür eine Zwischenfinanzierung oder ihre eigene Vollkaskoversicherung in Anspruch nehmen. Macht der Geschädigte dies nicht und nutzt beispielsweise über einen längeren Zeitraum einen Mietwagen, zahlt dann die Versicherung nicht die volle Dauer und verweist auf ein Mitverschulden des Geschädigten. Zu Unrecht, hat nunmehr auch das Landgericht Stralsund entschieden.

Danach muss ein Geschädigter bei einem Haftpflichtschaden zur Schadensminderung keinen Kredit aufnehmen und auch nicht seine Vollkaskoversicherung in Anspruch nehmen, wenn sich die Haftungsübernahme durch die gegnerische Versicherung verzögert (LG Stralsund, Urteil vom 07.12.2016 – 7 O 146/15).

In diesem Fall verlangte der Geschädigte Mietwagenkosten i.H.v. 11.000,00 € für einen Zeitraum von vier Monaten. Die Versicherung erklärte die Haftungsübernahme erst nach drei Monaten, obwohl der Geschädigte nicht in der Lage war, den Schaden vorzufinanzieren und seine Vollkaskoversicherung nicht in Anspruch nehmen wollte. Dieses Urteil entspricht auch einer vorangegangenen Entscheidung des OLG Dresden vom 04.05.2012 – Az. 1 U 1797/11. Danach stellt die Vollkaskoversicherung eine private Vorsorge dar und soll den Schädiger gerade nicht entlasten.

Wir empfehlen Ihnen daher stets, auch bei vermeintlich einfachen Verkehrsunfällen, anwaltlichen Rat in Anspruch zu nehmen. Die Regulierung der Versicherer wird zunehmend aggressiver. Stets werden Kosten gekürzt, auf denen dann der Geschädigte selbst sitzen bleibt. Vermeiden Sie dies und lassen Sie sich frühzeitig anwaltlich beraten. Eine Beratung durch den Anwalt ist immer wichtig, um seiner Schadensminderungspflicht gerecht zu werden. Oftmals ist gerade nicht bekannt, in welchem Umfang welche Schadenspositionen ersetzt werden oder über welchen Zeitraum ein Mietwagen in Anspruch genommen werden darf und was dieser genau kosten darf. Ärgerlich ist dies vor allem dann, wenn die Versicherung anschließend die Kosten nicht voll übernimmt und man trotz unverschuldetem Unfall dann auf einem Teil der Kosten sitzen bleibt.
Die Inanspruchnahme eines Anwalts ist dabei bei einem unverschuldeten Unfall für Sie stets kostenlos, allerdings gerade nicht sinnlos. Wir, das Team der Kanzlei Schliecker als Experten im Verkehrsrecht und Vertragskanzlei des ADAC stehen Ihnen bei Fragen rund um das Verkehrsrecht gerne zur Verfügung.