Was ist eigentlich ein “qualifiziertes Arbeitszeugnis”?

Jeder Arbeitnehmer hat gemäß § 109 GewO einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Der Anspruch besteht zunächst auf ein einfaches Arbeitszeugnis, das lediglich über die Dauer und Art der Tätigkeit Auskunft geben muss. Der Arbeitnehmer kann aber auch ein qualifiziertes Zeugnis verlangen, das Auskunft über seine Führung und Leistung gibt.

Das Zeugnis muss zugleich wahrheitsgemäß und wohlwollend sein. Da es sich auf die gesamte Zeit der Beschäftigung bezieht, kann es nur ausnahmsweise einzelne negative Vorfälle zum Anlass für eine insgesamt schlechte Bewertung nehmen. Die Tätigkeit muss so ausführlich beschrieben werden, wie es der jeweiligen Tätigkeit angemessen ist. Üblicherweise wird die Bewertung der Leistung und Führung schulnotenartig mit bestimmten Formulierungen ausgedrückt. Die Beurteilung „stets zur vollen Zufriedenheit” steht dabei für „gut”.

Will der Arbeitgeber eine Note schlechter als „befriedigend” vergeben, trägt er im Streitfall die Beweislast. Umgekehrt muss der Arbeitnehmer eine bessere Leistung beweisen, wenn er eine gute oder sehr gute Leistungen attestiert haben möchte.

Ein Anspruch des Arbeitnehmers auf eine bestimmte Formulierung besteht nicht; der Arbeitgeber darf allerdings keine Formulierungen verwenden, die als sogenannte geheime “Zeugnissprache” einen anderen als den scheinbar gemeinten Sinn haben. Auch die häufig verwendeten Dankes- und Bedauernsformeln, verbunden mit guten Wünschen für die Zukunft, besteht allerdings kein Anspruch, da diese nicht zur Beurteilung über die Führung und Leistung gehört.

Weitere Fragen beantwortet Ihnen gerne Rechtsanwalt Andreas Maccari, Fachanwalt für Arbeitsrecht.