Wechselmodell als Umgangsregelung

Was für verheiratete Eltern normal ist, war für getrennt lebende Eltern meist nicht möglich. Regelmäßig leben auch heute in geschiedenen Ehen die Kinder schwerpunktmäßig bei einen Elternteil, während dem anderen ein Umgangsrecht für die Wochenenden im 14 – tägigen Rhythmus eingeräumt wird.

Zwar kannte man früher schon unter dem Begriff „Wechselmodell“ einen gleichberechtigten Umgang mit den Kindern für beide Elternteile, gegen den Willen des einen Elternteils konnte das Wechselmodell aber nicht angeordnet werden.

Dieses Hindernis hat nunmehr der BGH mit seinem Urteil vom 27. Februar, Az. XII ZB 601/15 ausgeräumt. Eine Woche bei Mama, danach eine Woche bei Papa – das ist nun auch bei getrennt lebenden Eltern eine Möglichkeit geworden, und das auch gegen den entgegenstehenden Willen des anderen Elternteils.

Einzige Voraussetzung: Es entspricht dem Kindeswohl. Ist das der Fall, darf das Familiengericht nunmehr die geteilte Betreuung durch Vater und Mutter anordnen.

Es bleibt jedoch auch hier zu berücksichtigen, dass das Wechselmodell im Vergleich zu anderen Umgangsregelungen höhere Anforderungen an die Eltern und das Kind stellen kann, da diese, trotz etwaig bestehenden Konflikten, in der Lage sein müssen, verbindliche Absprachen miteinander zu treffen.

Auf der anderen Seite kann, gerade in stark zerstrittenen Beziehungen, das Wechselmodell eine Hilfe sein und für Entspannung zwischen den Eltern sorgen. Wechselt das Kind bspw. alle 14 Tage nach der Schule zum anderen Elternteil, sind zum einen die Umgangsregelungen klar, zum anderen bestehen viel geringer Berührungspunkte zwischen den Elternteilen. Abstimmungsbedarf gibt es dann meist nur noch hinsichtlich Ferien und Feiertagen sowie Geburtstagen.

Entscheiden soll aber auch sein, wie das Kind selbst gerne leben möchte. Hier gilt, wie so oft gilt, dass je älter das Kind ist, desto wichtiger seine Wünsche sind. Vor allem aber müssen die Kinder sich nicht mehr entscheiden und müssen kein schlechtes Gewissen mehr haben.

Es gibt also durchaus auch gewichtige Argumente für die Durchführung eines Wechselmodells entgegen dem bisher vorherrschenden Residenzmodell. Auf jeden Fall sollte man dies bei einer ausführlichen Beratung mit seinem Fachanwalt für Familienrecht als zu besprechenden Punkt mit berücksichtigen. Rechtsanwalt und Fachanwalt für Familienrecht Wolfgang Schliecker sowie Rechtsanwalt Andreas Boos stehen Ihnen hierfür, wie für andere Themen des Familienrechts, jederzeit zur Verfügung.